Island tourismus

Es beherbergt Hunderte von Vulkanen, aber auch den größten Gletscher Europas; es befindet sich fast auf dem nördlichen Polarkreis, wird aber vom Golfstrom erwärmt – Island ist im wahrsten Sinne des Wortes das Land aus Feuer und Eis. Außerdem ist es das Land der Geschichte. Der menschliche Einfluss auf die windige Insel ist gering und nur stellenweise spürbar. Fußabdrücke verschwinden schnell, allein die Geschichten bleiben für immer.

Die Kraft und Schönheit dieses Ortes machte kämpferische Wikinger zu Dichtern und Familiengeschichten zu epischen Sagen. Als der Blick des Wikingers Ingólfur Arnarsons vor über 1100 Jahren zum ersten Mal auf das Ufer fiel, warf er gemäß einer alten Sitte Holzpfeiler seines Häuptlingssitzes vor Islands Küste über Bord und gelobte, sich dort niederzulassen, wo Wind und Wellen sie wieder an Land spülen. Diese wurden drei Jahre später gefunden und die erste Siedlung wurde angelegt. Aus dieser ersten Niederlassung entstand Reykjavík, die Hauptstadt Islands, in der heute zwei Drittel der Inselbewohner leben.

Aufgrund seiner geringen Zahl von nur 300.000 Einwohnern wirkt Island manchmal wie der abgelegenste Ort der Welt.

Tatsächlich ist Reykjavík aber nur drei Flugstunden von London und etwas weniger als sechs Flugstunden von New York entfernt. Reykjavík ist sich selbst nicht sicher, ob es ein großes Dorf oder eine kleine Stadt ist und das macht seinen Charme aus. Es ist entspannt und einladend, zeichnet sich aber auch durch viel Kreativität und ein reiches kulturelles Leben aus, das sich leicht gegen andere europäische Hauptstädte behaupten kann. Die Bauart der meisten Gebäude ist eine Reaktion auf die Umwelteinflüsse: sie sind schlicht und niedrig, um weniger anfällig für die Winde vom Nordatlantik zu sein, und farbenfroh, um in den langen, dunklen Wintern etwas Lebensfreude zu verbreiten.

Es gibt aber auch urbane Architektur, mit Gebäuden, die von Islands natürlicher Schönheit beeinflusst sind. Wie die Spitze eines märchenhaften Eisschlosses wacht der Hauptturm der Hallgrímskirkja über ganz Reykjavík. Mit ihrem Design, das die geometrischen Formen eines Lavastroms nachempfinden soll, erkennt sie die Natur an, wie sonst nur sehr wenige Kirchen.

Islands Konzert und Konferenzhaus Harpa spiegelt den Himmel, den Hafen und die kulturelle Energie der Stadt wider. Auch hier dienten die dramatischen geologischen Formationen der Insel als Ideengeber, ebenso wie das unglaubliche winterliche Naturspektakel der Nordlichter. Auch die historischen Gebäude sind Isländern sehr wichtig.

Als Reykjavík in der Mitte des 20. Jahrhunderts modernisiert wurde, wurden viele der älteren Gebäude der Stadt zu den letzten Bauernhöfen der Stadt verlegt. Das Freilichtmuseum Árbæjarsafn ermöglicht es Besuchern heute, eine kleine Zeitreise zu machen.

Im Isländischen Nationalmuseum tauchen Sie dagegen in die isländische Geschichte ein, von der Gegenwart bis zurück zur Zeit der Besiedlung Islands. Die Natur begegnet Ihnen in der Stadt auf Schritt und Tritt, von den viel Wind ausgesetzten Gewässern über die Berge bis hin zum grenzenlosen Horizont. Viele der beliebtesten Sehenswürdigkeiten des Landes sind von Reykjavík aus leicht erreichbar, oft sogar mit den öffentlichen Verkehrsmitteln.

Erfahren Sie den Geist Islands am eigenen Leib – in der von den Einheimischen Bláa Lónið genannten Blauen Lagune. Hier sowie in Hunderten anderer Bäder vulkanischen Ursprungs der Insel baden die Einheimischen im heilenden Thermalwasser, tauschen Klatsch und Tratsch aus und halten sogar Geschäftstreffen ab. Nicht weit von Reykjavík entfernt befindet sich der sogenannte Golden Circle, eine Route, auf der drei der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Islands liegen.

Nur etwa 50 Kilometer von der Hauptstadt entfernt befindet sich der Nationalpark Thingvellir, der als das Herz und die Seele des Landes gilt. Hier können Sie zwischen den amerikanischen und eurasischen tektonischen Platten wandeln, die seit Jahrtausenden auseinanderdriften. Besuchen Sie den größten See des Landes, laufen Sie die mittlerweile von Gras bedeckten Lavaströme entlang und stellen Sie sich die Clans vor, die sich hier in einem der ältesten Parlamente der Welt trafen.

Bereits vor über 800 Jahren fanden hier jedes Jahr zweiwöchige Sitzungen statt. Auf der Golden Circle Route befindet sich auch ein kesselförmiges Gebiet mit zischenden Dampfsäulen und brodelnden Schlammbecken, das Geothermalgebiet Haukadalur. Der Große Geysir hat sich in den letzten Jahren ziemlich ruhig verhalten, der nahegelegene kleinere Geysir Strokkur bietet aber nach wie vor ein beeindruckendes Schauspiel.

Er spuckt regelmäßig alle 10 Minuten eine Wassersäule gen Himmel. Ein Wunder der Natur des Golden Circle, das die anderen noch überstrahlt, ist der Gullfoss. Anfang des letzten Jahrhunderts bestand die Gefahr, dass der Wasserfall für ein hydroelektrisches Projekt genutzt werden sollte, bis eine Bauerstochter barfuss bis nach Reykjavík lief und androhte, sich den Wasserfall hinunterzustürzen, sodass das Projekt letztlich gestoppt wurde.

Diese Frau gilt heute als Islands erste Umweltschützerin. Seitdem wurde der goldene Wasserfall immer geschützt. Die Islandreise vieler umfasst nur Reykjavík und den Golden Circle – und das ist schade.

Je weiter man sich nämlich von diesen Top Sehenswürdigkeiten wegbewegt, desto mehr Abenteuer erlebt man. Die Ringstraße Nr. 1 oder Hringvegur führt einmal um die ganze Insel und eignet sich ideal, um ihre wunderschönen Landschaften und Sagen, Mythen und Legenden zu erleben. Eineinhalb Fahrstunden östlich von Reykjavík befindet sich einer der schönsten Wasserfälle der Welt, der Seljalandsfoss.

Folgen Sie dem Pfad, der Sie hinter dem über 60 Meter tiefen Vorhang aus Gletscherwasser entlangführt, wo Abenteurer im Laufe der Jahrhunderte innegehalten und den Aufenthalt an diesem heiligen Ort genossen haben. Fahren Sie dann zum nicht einmal 30 km entfernt gelegenen Skógafoss, wo einer Legende nach ein Wikinger einen Schatz hinter dem Wasserfall versteckt haben soll. Jahre später entdeckte ein isländischer Junge die Truhe und versuchte, sie zu bergen, konnte aber nur nach ihrem Griff greifen, ehe sie erneut verschwand.

Bei Sonne entsteht an den Wasserfällen oft ein doppelter Regenbogen – ein Geschenk der Natur. Noch weiter östlich liegt Vík í Mýrdal, der südlichste Ort des Landes. Zwischen Bergen und Meer finden sich einige der beeindruckendsten Landschaften Islands, wechselhaftes Wetter und viele Legenden.

Besuchen Sie den Strand aus schwarzer Lava, der als einer der schönsten nicht tropischen Strände der Welt gilt. Gleich vor der Küste befinden sich drei schwarze Felsnadeln, die Reynisdrangar. Laut einer Legende handelt es sich dabei um die Überreste zweier Trolle, die sich mit ihrem Schiff noch auf dem Meer befanden, als sie von der aufgehenden Morgensonne versteinert wurden.

Aber auch die Küstenlinie besteht aus faszinierenden Felsformationen und Höhlen, wie der Höhle Hálsanefshellir, die einem Monster als Versteck gedient haben soll, bis ein Erdrutsch vor nur 100 Jahren den Eingang blockierte. Wandern Sie bis zum Kap Dyrhólaey und beobachten Sie die Papageientaucher. Unter Ihnen schlagen inzwischen die Wellen, die störungsfrei aus der Antarktis kommen, hier gegen den südlichsten Punkt Islands.

Folgen Sie der Ringstraße dann für weitere zwei Stunden bis zum in der Sonne gleißenden Gletschersee Jökulsárlón. Hier am Rand des Vatnajökull, des größten Gletschers Europas, brechen Eisberge ab und treiben dann jahrelang umher, bis sie ausreichend geschmolzen sind, um sich einen Weg zum Meer bahnen zu können. Fotografen und Filmproduzenten sind begeistert – der Jökulsárlón diente bereits als Schauplatz für einige bekannte Filmproduktionen, wie James Bond, Batman und Lara Croft.

Von der wilden, windigen Ostküste bis zu den atemberaubenden Vulkanen im Norden bietet die isländische Ringstraße ein Highlight nach dem anderen. Dazwischen fahren Sie kilometerlang durch absolut einsame Landschaften. Bewundern Sie im Norden Islands den Wasserfall Selfoss.

Unweit stromabwärts erbebt die Erde unter Ihren Füßen aufgrund des leistungsstärksten Wasserfalls Europas, dem Dettifoss, dessen hochgepeitschte Gischt schon aus etwa einem Kilometer Entfernung sichtbar ist. In der Nähe wartet die Region Mývatn, in deren Zentrum sich ein ruhiger See befindet, der von wunderschöner Natur umgeben ist. Machen Sie vorsichtig einen Spaziergang auf dem Bergrücken des Namafjall.

Schlendern Sie durch die Lavasäulen und die an dunkle, verfallene Burgen erinnernden Steinformationen von Dimmuborgir, dem Ort, an dem der Teufel gelandet sein soll, nachdem ihn Gott aus dem Himmel vertrieben hat. Blicken Sie in die Caldera des Vulkans Krafla und werden Sie Zeuge der unglaublichen Geothermie, die hier gleich unter dem Eis wirkt. Im Westen von Mývatn befindet sich ein Wasserfall, mit dem eine bedeutende isländische Sage verbunden ist.

Als im 10. Jahrhundert ein Bürgerkrieg und eine Spaltung des Landes nicht mehr ausgeschlossen schienen, wurde als Ausweg Islands Übertritt zu einem Glauben, zum Christentum, beschlossen. Symbolisch wurden die letzten Götterbilder dem Wasserfall übergeben, der seitdem Goðafoss, also Götterwasserfall, heißt.

Nach ein paar Tagen Rundfahrt erscheint die kleine Stadt Akureyri wie eine Oase. Die auch als Hauptstadt des Nordens bekannte Stadt Akureyri ist der ideale Ort, um sich aufzuwärmen und sich etwas Komfort und Kultur zu gönnen, bevor Sie sich wieder in die wilde Landschaft begeben. Manche Geschichten sollten niemals aufhören, verleiten dazu, das Buch nicht mehr aus der Hand zu geben, aber keine Angst, dies ist nur eine kleine Einführung.

In Island wartet an jeder Straße, an jedem noch so kleinen Pfad, eine Geschichte auf Sie. Vom Binnenland bis zu den Vestfirðir ist jeder unberührte Strand und jede Ebene eine leere Seite. Los geht's, schreiben Sie Ihre eigene Geschichte Islands.

Es wird sicher eine, die Sie für den Rest Ihres Lebens gerne erzählen.